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Die Architektur der Frauenkirche Dresden

Die Frauenkirche in Dresden gilt als einer der architektonisch reizvollsten Sakralbauten in Europa. In ihrer jetzigen rekonstruierten Form ist sie ein eindrucksvolles Zeugnis barocker Baukunst. Der monumentale Sandsteinbau verfügt über eine der größten Steinkuppeln nördlich der Alpen.

Nach ihrer völligen Zerstörung im zweiten Weltkrieg durch britische und amerikanische Bomber (13. Februar 1945) wurde das Gotteshaus von 1994 bis 2005 wieder aufgebaut. Seit Oktober 2005 präsentiert sich die Dresdner Frauenkirche den Besuchern wieder in ihrer vollen Pracht.

Begonnen hatte die wechselvolle Geschichte der Frauenkirche im elften Jahrhundert. Als kleine romanische Missionskirche wurde der Bau erstmals erwähnt. Der Vorgängerbau war der heiligen Jesusmutter Maria geweiht und trug den Namen „Kirche Unserer Lieben Frauen“.

Im zwölften Jahrhundert wurde ein erster Steinbau in Form einer dreischiffigen Basilika errichtet. Fortan war die Frauenkirche die Pfarrkirche Dresdens. In den folgenden Jahrhunderten kam es zu wiederholten Vergrößerungen und Umbauten im Stil der Gotik und Spätgotik. So wurde 1477 eine gotische Choranlage eingefügt, um 1497 ein Dachreiter. Das Gotteshaus erhielt den Charakter einer gotischen Hallenkirche.

Im Zuge der Reformation im Jahr 1539 fiel die Frauenkirche an die lutherische Gemeinde der Stadt. Nach einer kurzen Phase der Stilllegung, in der das Bauwerk lediglich als Begräbniskirche genutzt wurde, fanden ab 1559 wieder reguläre Gottesdienste statt. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde die Kirche zunehmend  baufälliger, außerdem war der Innenraum zu klein für die wachsende Gemeinde geworden. Im Jahr 1722 schließlich beschloss der Dresdner Stadtrat, das alte Kirchengebäude abzureißen und einen neuen Sakralbau zu errichten. Der Architekt und Ratszimmermeister George Bähr (15.3.1666 - 16.3.1738) wurde mit der Planung der neuen Frauenkirche beauftragt. Bähr, der aus Fürstenwalde im Erzgebirge stammte, arbeitet vier Jahre lang an den Plänen für den monumentalen Barockbau. Während sein ursprünglicher Entwurf eine Kuppel aus Holz und Kupfer vorsah, änderte der Architekt später seine Pläne und favorisierte eine Steinkuppel. Der Kurfürst von Sachsen, August der Starke (12.5.1670-1.2.1733) schwärmte für die Kuppelkirche Santa Maria della Salute in Venedig und unterstützte Bährs Pläne für eine monumentale, steinerne Kuppel. Im Juni 1726 genehmigte der Stadtrat den Entwurf Bährs, am 26. August fand die Grundsteinlegung der Frauenkirche statt. Endgültig fertiggestellt wurde der barocke Neubau erst fünf Jahre nach dem Tod des Architekten im Jahr 1743. Das Gotteshaus kostete die Stadt Dresden rund 288.570 Taler und wurde überwiegend aus Spendengeldern finanziert. Die erste Weihe fand am 28. Februar 1734 statt.

Der Zentralbau aus Sandstein trug eine ebenfalls steinerne Kuppel, die auf acht Pfeilern im Innenraum ruhte. In ihrer Position deuteten sie eine Kreuzform an. Die Außenmauern folgten einem annähernd quadratischen Grundriss, der von einem halbrunden Chor durchbrochen wurde. Der monumentale Barockaltar wurde vom Orgelprospekt (Front der Orgel) gekrönt. Die Dresdner Frauenkirche hatte eine Gesamthöhe von 91,23 Metern. Die Breite betrug 41,96 Meter, die Länge 50,02 Meter. Die steinerne Kuppel begann in einer Höhe von 40 Metern, die Laterne (Kuppelaufsatz) öffnete sich in etwa 62 Metern. Der Außendurchmesser der steinernen Kuppel maß 26,15 Meter und oben etwa zehn Meter bei einem Gewicht von rund 12.000 Tonnen. In den folgenden Jahrhunderten verursachte vor allem die massive Kuppel immer wiederkehrende bautechnische Probleme. Kontinuierliche Reparaturmaßnahmen waren nötig, da die acht Innenpfeiler aus relativ weichem Sandstein die Last der Kuppel nur schwer bewältigen konnten. Risse in den Kapitellen und Schäden an den Pfeilern waren die Folge. Erst in den Jahren 1938 bis 1942 wurden grundlegende Instandsetzungsmaßnahmen an der Frauenkirche vorgenommen. Gurtbögen aus Stahlbeton wurden in den acht Fundamenten eingesetzt, die Kuppel wurde durch Stahlbeton-Ringanker verstärkt. Drei Jahre später fiel das Gotteshaus der Feuersbrunst in der Dresdner Innenstadt zum Opfer, die nach dem Luftangriff der Alliierten ausgebrochen war.

Von 1945 bis 1994 lag die Frauenkirche in Trümmern. 1966 hatte die DDR-Regierung die Ruine als offizielles Mahnmal gegen Krieg und Zerstörung erklärt. Am 18. März 1991 beschloss die sächsische Landessynode im inzwischen vereinten Deutschland den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche. Am 27. Mai 1994 fand die Grundsteinlegung statt, im Herbst 2005 konnte der Wiederaufbau abgeschlossen werden. Die Weihe der renovierten Frauenkirche wurde am 30. Oktober 2006 begangen.